Freiwillige Feuerwehr Bad Reichenhall

Florianifest am 30.09.2006

von Frau Mergenthal, Reichenhaller Tagblatt, erschienen am 02.10.2006

Psychisch belastende Einsätze dominierten
Feuerwehr feiert Florianifest – Schneefälle schufen neues Betätigungsfeld

Bad Reichenhall (vm) - Etwas anders als sonst fiel der Jahresrückblick von Stadtbrandinspektor Andreas Gabriel beim Florianifest am Samstag im Alten Kurhaus aus. Im Bereich der Übungen und sonstigen Aufgaben habe es keine Unterschiede zur Vergangenheit gegeben. „Wie immer wurden hier Tausende von Arbeitsstunden geleistet.“ Die Anzahl der Einsätze sei sogar zurückgegangen. „Doch leider trügt die Zahl“, betonte Gabriel. „Durch den Einsturz der Eishalle, mehrere schwere Verkehrsunfälle und einen Brandeinsatz mit Todesfolge war es leider ein herausragendes Jahr.“

Nach dem Gottesdienst im Münster St. Zeno mit Segnung der neu restaurierten Marzoller Fahne marschierte die Feuerwehr mit Fahnen, Fackeln, Bläsern und Trommlern zum Alten Kurhaus. In den Mittelpunkt seines Berichtes stellte Gabriel die Eishallen-Katastrophe. Eine den Opfern und deren Angehörigen gewidmete Präsentation von Markus Rauch rief die Geschehnisse in drastischen Bildern noch einmal in Erinnerung. Zu den Bildern schilderte Gabriel, wie die Feuerwehrmänner die verschiedenen Phasen des Einsatzes erlebten und bewältigten, wie hilflos sie sich selbst fühlten.

Er bedankte sich als Örtlicher Einsatzleiter bei allen Hilfskräften. Es seien viele gute Frauen und Männer zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. „Mit ihren Ideen, einer unglaublichen Motivation, bis zum Abschluss der Arbeiten durchzuhalten, und dem Mut, auch unter Lebensgefahr weiterzumachen, konnten wir alle zusammen diese Katastrophe bewältigen.“ Nach dem „unglaublichen Druck“ des 75-Stunden-Einsatzes seien die Reaktionen der Bevölkerung und vieler Gönner um so erfreulicher gewesen. Gabriel nannte unter anderem die spontane Verköstigung am Einsatzort und die Einladung von 300 Helfern durch den FC Bayern zu einem Fußballspiel. „Eine besondere Überraschung war der Besuch zweier befreundeter Feuerwehrkameraden aus New York.“

Unter dem Strich stellte der Stadtbrandinspektor fest, dass seine Männer und Frauen im abgelaufenen Jahr mit besonders vielen psychisch belastenden Einsätzen konfrontiert waren. Auffällig seien drei schwere Verkehrsunfälle kurz vor und nach dem Einsturz der Eishalle gewesen. „Am 18. Dezember 2005 verunglückten zwei Personen tödlich auf der Bundesstraße 21 auf Höhe Schwarzbach.“ Am 15. Januar schafften die Reichenhaller zusammen mit den Schneizlreuthern die komplizierte technische Rettung eines eingeklemmten jungen Fahrers bei Unterjettenberg. Bereits Tags darauf unterstützten sie ihre Kollegen aus Weißbach bei einem Unfall an der Queralpenstraße, bei dem die verunglückte Beifahrerin verstarb. Durch die starken Schneefälle im Januar und Februar habe die Wehr heuer ein neues Betätigungsfeld gefunden, erläuterte Gabriel. Dafür sei man von den üblichen Regenunwettern oder Stürmen verschont geblieben. Bei verschiedenen öffentlichen Gebäuden unterstützten die Feuerwehrleute die städtischen Kräfte beim Abschaufeln der Dächer.

Wie bei einem Fest üblich, gab es auch Geschenke. Der Vizevorsitzende des Feuerwehrvereins René Schimag übergab den beiden Kommandanten eine aus Vereinsmitteln beschaffte Rettungssäge im Wert von 3.500 Euro zur Unterstützung der aktiven Feuerwehr bei technischen Einsätzen. Freudestrahlend nahm sie Gabriel entgegen. „Dieses spezielle Schneidgerät ist geeignet, fast alle Materialien zu durchtrennen“, erklärte er. „Durch die beiden gegenläufigen Schneidblätter ist die Handhabung relativ problemlos.“

Bei der Übergabe der neun Rettungssäge im Rahmen des Florianifestes: (von links) Kassier Martin Altendorfer, Kommandant Andreas Gabriel, 2. Kommandant Josef Kaltner und Vizevorsitzender René Schimag. Foto: Mergenthal

Grußworte sprachen Kreisbrandinspektor Stefan Pfnür, Polizeichef Wilhelm Bertlein und Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner. „Die Feuerwehr Bad Reichenhall ist nicht nur die größte im Landkreis, sondern auch ein Vorbild in Sachen Leistungsbereitschaft“, betonte er. Kräftigen Applaus gab es, als er die gesamte Mannschaft zum Biathlon-Weltcup nach Ruhpolding einlud – „selbstverständlich mit einer großzügigen Einladung ins Verpflegungszelt“. Nach den Ehrungen, Verabschiedungen und Beförderungen genossen die Gäste ein üppiges Buffet.

 

Einsatz-Statistik der Feuerwehr

Bad Reichenhall. Zu 177 Einsätzen wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Reichenhall in den vergangenen zwölf Monaten gerufen. Sie bewältigte 45 Technische Hilfeleistungen, darunter acht Pkw-Brände. Vier Mal musste die Wehr eingeklemmte Personen befreien. Es gab 22 Brandeinsätze. Ein Opfer eines Wohnungsbrandes konnte nicht mehr gerettet werden.

Die Brandmelderalarme gingen mit 25 Fällen deutlich zurück. Fünf Mal galt es, für Personen in Not eine Tür aufzubrechen. Sieben Mal unterstützte die Feuerwehr das Bayerische Rote Kreuz mit der Drehleiter bei der Personenrettung. Sie leistete 13 Sicherheitswachen und sechs Tauchereinsätze.

Ein Schwerpunkt waren Unwetterschäden mit 37 Fällen, darunter 23 Einsätze zum Entfernen von Schneelasten. Außerdem gab es drei Gefahrguteinsätze.

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