Freiwillige Feuerwehr Bad Reichenhall

Tankwagenbrand 1982

Bericht 1: SBI Tiefenthaler-Haagn, Bericht 2: Feuerwehrmagazin

Bericht aus dem Feuerwehr-Magazin 12/1985

Der 22. November 1982. Ein ruhiger Montagabend, 20.30 Uhr, Fernsehzeit. Ein Fernfahrer aus Heilbronn steuert seinen 38-Tonnen-Tankzug über die B 20 durch den Kurort Bad Reichenhall. Seit morgens 7.30 Uhr ist er schon unterwegs. Zur selben Zeit strickt eine Hausfrau gerade an einem Weihnachts-Pulli. Sie erinnert sich: „Ich habe gehört, wie der Brummi runterschaltete, der Motor aufheulte. Mein Gott, dachte ich, der ist doch viel zu schnell. Da kommt doch gleich die Linkskurve mit der Tankstelle.“

Ein paar Sekunden später zerfetzen ihre Fensterscheiben, eine Flammenwand schießt am Haus hoch.

In der engen Linkskurve hatte der Fernfahrer die Kontrolle über seinen 38-Tonner verloren, war auf den Bürgersteig geraten, hatte eine 30 Zentimeter hohe Betonmauer gerammt und war schließlich in die Tankstelle geschlittert. Dort stürzte sein Lkw um, überschlug sich und kam vor der Waschhalle zum Liegen. Die Tanks zerbarsten, 34.000 Liter Benzin entzündeten sich und rollten als Feuerwalze die Innsbrucker Straße hinunter, in Richtung Altstadt. Eine 30 Meter hohe Flammenwand schlug zuerst gegen ein zweistöckiges Haus gegenüber der Tankstelle und setzte es vollständig in Brand. Fünf Bewohner können sich nur durch einen mutigen Sprung aus dem ersten Stock retten. Schwer verletzt werden sie ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Rentnerinnen, die nicht sprangen, werden in letzter Minute von Feuerwehrleuten über die DL 30 geborgen. Sie erlitten Rauchvergiftungen.

300 Meter Straße brennen. Großalarm. Sechs Stunden lang kämpfen 150 Feuerwehrleute gegen die Flammenhölle. Zur Unterstützung werden auch die benachbarten Feuerwehren angefordert. Besonders teuflisch: Alle schweben in Lebensgefahr, da niemand weiß, ob die unterirdischen Benzinstanks der Tankstelle nicht auch noch hochgehen. Brennendes Benzin läuft in die Kanalisation, auch dort Explosionsgefahr. Mit den ÖSA-Anhängern aus Bad Reichenhall und Freilassing werden noch in derselben Nacht 12 000 Liter Benzin-Wassergemisch aus der Kanalisation aufgefangen und in Faltbehälter gepumpt. Die Kläranlage sondert weitere 16 000 Liter ab. Die gesamten Aufräumarbeiten dauern noch den ganzen nächsten Tag, Bilanz des Großeinsatzes: 7 Verletzte, 1 Toter. Denn der Tankzugfahrer kann nicht gerettet werden. Trotzdem leisteten die Männer der FF Bad Reichenhall ganze Arbeit.

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